Greenpeace bei der Boot

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Rund 1700 Aussteller aus 57 Ländern haben sich bei der weltgrößten Yacht- und Wassersportmesse "Boot" in Düsseldorf getummelt. Auch Greenpeace war dabei: Die Düsseldorfer Gruppe und Ehrenamtliche aus Mülheim-Oberhausen sprachen mit Besuchern über die Überfischung der Meere.

Im November 2014 hat Greenpeace die 20 schädlichsten „Monsterboats“ identifiziert. Monsterboats, auf deutsch Fischereimonster, sind Industriefangschiffe, die die „Fischfabrik“ direkt an Bord haben. Bis zu 150 Meter lang, ausgestattet mit Netzen die größer sind als Fußballfelder, holen sie täglich rund 350 Tonnen Fisch aus dem Meer. Der Großteil davon ist Beifang, der tot wieder im Meer landet.

Unter den 20 größten dieser Fischereimonster befinden sich zwei Schiffe, die unter deutscher Flagge mit ihrer gigantischen Fangkapazität und unselektiven Fangmethoden an der globalen Überfischung beteiligt sind. Die Helen Mary und die Maartje Theadora; wirtschaftlicher Eigentümer ist das niederländische Unternehmen Parlevliet & Van der Plas.

Wie schaut es mit den Fischbeständen aus?

Zahlreiche Fischbestände werden zu stark befischt, der Bestand kann sich nicht erholen und ganze Arten sind für immer verloren.
Laut Welternährungsorganisation (FAO, 2014) sind mehr als 90 Prozent der globalen Fischbestände bis an die Grenze genutzt (61,3 Prozent) oder überfischt (28,8 Prozent).

  • In europäischen Gewässern ist es noch dramatischer: Im Atlantik sind 63 Prozent der Speisefischbestände überfischt und im Mittelmeer sogar 82 Prozent.
  • Thunfisch, Schwertfisch und Kabeljau wurden innerhalb von 50 Jahren um bis zu 90 Prozent dezimiert.

Wissenschaftler prognostizieren einen Kollaps der meisten kommerziellen Fischereien bis zum Jahr 2050.

Vernichtung der Lebensgrundlage von Kleinfischern

Vor Westafrika teilen sich europäische Fabrikschiffe die Fangquote. Sie fischen so viel, dass für die örtlichen Fischer mit ihren Angeln kein Fisch mehr übrig bleibt. Sie können den regionalen Markt nicht mehr mit dem Grundnahrungsmittel versorgen und ihnen wird die Lebensgrundlage gestohlen.

 

Aktuelle Fischereipolitik

Das jahrelange Fischerei-Missmanagement der Europäischen Union führte zu diversen Problemen. Es konnten sich große subventionierte Fangflotten mit zu hohen Fangkapazitäten bilden. Für den Bau der Helen Mary flossen 1994 mehr als 6,2 Millionen Euro. Fangschiffe legen ihre Quoten nicht richtig offen und die Unternehmen können die Länderflaggen unter denen sie fischen wechseln, ohne dass dies nachvollziehbar gemacht wird. Kontrollen und Strafen, auch von illegaler Fischerei, sind selten und gering. Bestimmte Verbote, z.B. für zerstörerischer Fangmethoden, existieren erst gar nicht; Schutzgebiete und vielerorts auch Fischermanagement fehlen.

Die Probleme wurden erkannt und im Jahr 2014 hat sich schon was getan. Vorgaben wurden durch die Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) geschaffen und die Mitgliedstaaten verpflichteten sich, die Überfischung bis spätestens 2020 zu beenden. Im Dezember trafen sich die Fischereiminister zur Festlegung der Fangquoten für 2015. Für den erforderlichen Schutz der Fischbestände fallen diese laut Wissenschaftlern allerdings zu hoch aus.

Nun fordert Greenpeace die Regierungen auf, alle bestehenden Gesetze und Regelungen der GFP und des Europäischen Fischereifonds zu befolgen und sich an Naturschutzgesetze zu halten.

 

Forderungen von Greenpeace

  • Ein ökologisch nachhaltiges und sozialverträgliches Fischereimanagement.
  • Bei der Bewertung von Fangmöglichkeiten müssen neben ökonomischen auch soziale und ökologische Gesichtspunkte betrachtet werden.
  • Die Fangkapazitäten der nationalen Fangflotten müssen bewertet, und die Überkapazitäten abgebaut werden.
  • Realistische Fangquoten, die auf wissenschaftlichen Forschungsergebnissen basieren müssen und sich nicht am Bedarf orientieren dürfen.
  • Zudem müssen Anreiz-Programme entwickelt werden, die jene Fischer belohnen, die am umweltschonendsten und am sozial verträglichsten arbeiten. Diese Fischer sollten bei der Fangquotenverteilung positiv berücksichtigt werden.
  • Verteilungskriterien und die Nutznießer von Fangmöglichkeiten müssen transparent gemacht werden.
  • Strengere Regeln zur Registrierung der Schiffsflaggen.
  • Ein Netzwerk großflächiger Meeresschutzgebiete, das 40 Prozent der Ozeane abdeckt.
  • Ein sofortiges Verbot für jegliche Art der Tiefseeausbeutung auf der Hohen See.
  • Mehr Kontrolle gegen internationale Piratenfischerei.

Und was kann der Verbraucher tun?

Bei dem Fischeinkauf die Augen offen halten und nur Fischarten verzehren, die noch nicht zu stark überfischt sind. Ein Ausweichen auf Aquakulturen ist dabei leider nicht immer die beste Wahl. Für die Zucht von Raubfischen wie Lachs wird Wildfisch gefangen und als Fischmehl/-öl verfüttert (für 1kg Lachs sind 4 kg Fischmehl/-öl nötig).
Hilfe bietet der Greenpeace-Einkaufsratgeber, den es als Faltblatt oder App für Smartphones (Android und IOS) gibt.

Weiterführende Links

(Online-)Petition unterzeichnen
Greenpeace-Einkaufsratgeber als Faltblatt oder App
Report: "Fischereimonster - Der Fluch der Meere"

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